Barfen für Anfänger: so gelingt die Rohfütterung beim Hund
Barfen heißt, deinen Hund mit rohem Fleisch, Innereien, Knochen und etwas Gemüse zu füttern. Das klappt nur mit einer berechneten Ration: In einer Münchner Studie hatten 60 Prozent der untersuchten BARF-Rationen deutliche Nährstoffmängel. Lass den Plan deshalb von einer Tierärztin für Ernährung erstellen.
Zuletzt aktualisiert am
Auf dieser Seite
- Was ist BARF, und für wen eignet es sich?
- Was gehört in eine BARF-Ration?
- Wie viel BARF braucht mein Hund am Tag?
- Wie baue ich einen BARF-Plan auf?
- Welche Risiken hat BARF?
- Hygiene beim Barfen: so schützt du dich und deine Familie
- Barfen für Welpen: geht das?
- Hilft BARF bei Allergien?
- Hundefutter selber machen: gekocht statt roh?
Was ist BARF, und für wen eignet es sich?
BARF steht für eine Fütterung mit überwiegend rohen Zutaten: Muskelfleisch, Innereien, fleischige Knochen, dazu Gemüse, Obst und Öl. Statt eine fertige Dose zu öffnen, stellst du die Mahlzeiten selbst zusammen. Viele Halter schätzen daran, dass sie genau wissen, was im Napf landet.
Genau darin liegt aber auch die Schwierigkeit. Ein Fertigfutter, das als Alleinfuttermittel verkauft wird, ist darauf ausgelegt, alle Nährstoffe abzudecken. Bei einer selbst gemachten Ration bist du dafür verantwortlich. Ohne Berechnung fehlen schnell Mineralstoffe oder Vitamine, die man weder sieht noch schmeckt. Die Folgen zeigen sich oft erst nach Monaten.
BARF eignet sich für Halter, die Zeit für Einkauf und Zubereitung haben, sauber arbeiten können und bereit sind, sich beraten zu lassen. Weniger geeignet ist es für Haushalte mit Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem, weil rohes Fleisch Keime mitbringen kann. Für Welpen und kranke Hunde ist BARF nur mit fachlicher Begleitung zu empfehlen.
Was gehört in eine BARF-Ration?
Eine BARF-Ration besteht aus mehreren Bausteinen, die jeweils eine eigene Aufgabe haben. Fehlt einer davon oder ist er zu knapp bemessen, entsteht über die Zeit ein Mangel.
| Baustein | Liefert vor allem | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Muskelfleisch | Eiweiß und Energie | Abwechseln zwischen Tierarten, kein rohes Schweinefleisch und kein rohes Wildschwein |
| Innereien | Vitamine und Spurenelemente | Nur in kleinen Mengen, die genaue Menge gehört in die Berechnung |
| Rohe fleischige Knochen oder Knochenersatz | Kalzium und Phosphor | Nie gekochte Knochen, Größe passend zum Hund, unter Aufsicht füttern |
| Fisch oder Öl | Fettsäuren | Art und Menge nach Plan, nicht nach Gefühl |
| Gemüse und Obst | Ballaststoffe | Fein püriert oder gedünstet, giftige Sorten wie Zwiebeln und Weintrauben weglassen |
| Ergänzungen | was die übrigen Zutaten nicht abdecken, etwa Jod | Nur gezielt nach Berechnung, nicht auf Verdacht |
In vielen Ratgebern stehen feste Verhältnisse, etwa wie viel tierische und wie viel pflanzliche Zutaten in die Schüssel gehören. Diese Angaben weichen voneinander ab und taugen nur als grobe Orientierung. Was dein Hund wirklich braucht, hängt von Alter, Gewicht, Bewegung, Kastration und Gesundheit ab.

Wie viel BARF braucht mein Hund am Tag?
Die meisten BARF-Seiten rechnen mit einem pauschalen Prozentsatz des Körpergewichts. Das ist ein Startwert, keine Berechnung. Zwei Hunde mit gleichem Gewicht können einen sehr unterschiedlichen Energiebedarf haben, je nachdem, ob einer auf dem Sofa liegt und der andere jeden Tag stundenlang unterwegs ist.
Noch wichtiger als die Gesamtmenge ist die Zusammensetzung. Eine Untersuchung einer Fachtierärztin für Tierernährung gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Tierernährung der LMU München hat 95 BARF-Rationen erwachsener Hunde ausgewertet. Rund 60 Prozent hatten mindestens einen deutlichen Mangel oder ein Ungleichgewicht. Etwa die Hälfte lieferte zu wenig Jod, bei jeder zehnten war viel zu wenig Kalzium enthalten, und viele Rationen waren knapp an Zink, Kupfer oder Vitamin A.
Im Alltag hilft dir die Waage: Wiege deinen Hund in den ersten Monaten alle zwei Wochen und taste regelmäßig, ob du die Rippen unter einer dünnen Fettschicht fühlst. Nimmt er zu oder ab, passt du die Menge an. Ob die Nährstoffe stimmen, siehst du daran aber nicht. Das zeigt nur die Berechnung.
Wie baue ich einen BARF-Plan auf?
- Ration berechnen lassen. Eine Tierärztin mit Weiterbildung in Tierernährung rechnet aus, was dein Hund braucht, und stellt dir einen Plan mit Mengen und Ergänzungen zusammen. Welche Wege es dafür gibt, steht auf der Seite Ernährungsberatung für Hunde.
- Wochenplan schreiben. Ein Plan über eine Woche macht es leichter, Fleischsorten, Innereien und Knochen abzuwechseln, ohne jeden Tag neu zu überlegen.
- Einkauf und Lagerung klären. Wo kaufst du ein, wie viel passt in deinen Gefrierschrank, und wie taust du auf, ohne dass Fleischsaft durch den Kühlschrank läuft?
- Langsam umstellen. Ersetz anfangs eine Mahlzeit durch die frische Ration und beobachte, wie dein Hund sie verträgt. Wie ein schonender Futterwechsel abläuft, liest du im Ratgeber Futterumstellung beim Hund.
- Kontrollieren. Gewicht, Kot, Fell und Energie im Blick behalten. Ob und wann eine Blutuntersuchung sinnvoll ist, besprichst du mit der Tierarztpraxis.
Wenn du dich nicht sofort für eine reine Rohfütterung entscheiden willst, ist Teilbarfen ein Weg: Ein Teil der Mahlzeiten bleibt beim gewohnten Fertigfutter, der andere ist frisch. Auch dann sollte die Kombination berechnet sein, damit sich Über- und Unterversorgung nicht addieren.
Welche Risiken hat BARF?
Nährstoffmängel
Das größte Risiko ist unsichtbar. Ein Hund mit zu wenig Jod, Kalzium oder Spurenelementen frisst gern, sieht lange gesund aus und entwickelt Probleme erst schleichend. Bei Welpen kann eine falsche Versorgung mit Kalzium und Phosphor das Wachstum der Knochen stören. Deshalb ist die Berechnung kein Luxus, sondern der Kern einer guten BARF-Fütterung.
Keime im rohen Fleisch
Rohes Fleisch kann Bakterien wie Salmonellen oder bestimmte E.-coli-Stämme tragen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Haustiere beim Barfen mit solchen Erregern in Kontakt kommen und sie über eine Schmierinfektion an Menschen weitergeben können. Tiere können Salmonellen außerdem in sich tragen, ohne selbst krank zu werden. Dein Hund kann also gesund wirken und trotzdem Keime ausscheiden.
Rohes Schweinefleisch und Wildschwein
Rohes Schweinefleisch gehört nicht in den Napf, rohes Wildschwein erst recht nicht. Wildschweine können das Virus der Aujeszkyschen Krankheit tragen. Für Hunde verläuft diese Krankheit laut Friedrich-Loeffler-Institut immer tödlich, meist innerhalb weniger Tage nach den ersten Anzeichen. Das Institut rät ausdrücklich davon ab, rohes Wildschweinfleisch zu verfüttern.
Knochen
Gekochte Knochen splittern und sind tabu. Auch rohe Knochen können zu Verletzungen, abgebrochenen Zähnen oder hartem Kot führen, besonders wenn sie zu klein sind oder zu viele auf einmal gefressen werden. Füttere Knochen nur unter Aufsicht und in einer Größe, die dein Hund nicht im Ganzen schlucken kann. Bei Erbrechen, Würgen oder Problemen beim Kotabsatz geh in die Tierarztpraxis.
Hygiene beim Barfen: so schützt du dich und deine Familie
- Getrennt arbeiten. Eigene Bretter, Messer und Schüsseln für das Hundefutter, nicht neben Salat oder Brot.
- Hände waschen. Nach jedem Kontakt mit rohem Fleisch und nach dem Füttern gründlich mit Seife.
- Im Kühlschrank auftauen. In einem geschlossenen Gefäß im untersten Fach, damit nichts auf andere Lebensmittel tropft.
- Napf sofort spülen. Reste nicht stehen lassen, den Napf heiß reinigen.
- Kontakt im Blick behalten. Nach der Mahlzeit nicht gleich übers Gesicht schlecken lassen, besonders nicht bei Kindern.
- Kot zügig entsorgen. Auch im Garten, und danach Hände waschen.
Barfen für Welpen: geht das?
Welpen wachsen schnell und reagieren empfindlich auf Fehler in der Versorgung. Besonders Kalzium, Phosphor und Vitamin D müssen genau stimmen, damit sich die Knochen gesund entwickeln. Das ist mit einer frei zusammengestellten Ration kaum zu treffen. Wer seinen Welpen barfen möchte, sollte die Ration deshalb von einer Tierärztin mit Schwerpunkt Ernährung berechnen und im Wachstum mehrmals anpassen lassen.
Ob und ab wann Kauartikel wie Rinderohren passen, hängt von Größe, Zahnwechsel und Kauverhalten deines Welpen ab. Biete sie nur unter Aufsicht an und frag bei Unsicherheit in der Tierarztpraxis nach. Was in den ersten Monaten sonst wichtig ist, zeigt dir der Welpen-Wochenplan.
Hilft BARF bei Allergien?
Nicht automatisch. Rohes Futter ist nicht von sich aus hypoallergen. Wenn dein Hund auf ein bestimmtes Eiweiß reagiert, etwa Rind oder Huhn, hilft es nur, wenn genau diese Zutat wegfällt. Um herauszufinden, welche Zutat Probleme macht, braucht es eine Ausschlussdiät mit sehr wenigen Zutaten, die dein Hund noch nicht kennt.
Eine Ausschlussdiät lässt sich auch mit selbst zubereitetem Futter durchführen, sie muss aber konsequent und lange genug laufen. Wie sie abläuft und worauf du achten musst, steht im Ratgeber Hypoallergenes Hundefutter und Ausschlussdiät.
Hundefutter selber machen: gekocht statt roh?
Wer frisch füttern möchte, aber das Risiko durch Keime scheut, kann das Fleisch auch garen. Für die Nährstoffe gilt dann dasselbe wie beim Barfen: Auch eine gekochte Ration braucht eine Berechnung und meist gezielte Ergänzungen. Gekochte Knochen sind dabei weiterhin tabu, das Kalzium kommt dann aus einem passenden Zusatz.
Zeit und Kosten solltest du ehrlich einplanen. Einkauf, Portionieren, Einfrieren und Abwaschen kosten jede Woche Zeit, und die Beratung zu Beginn kostet Geld. Dafür weißt du genau, was dein Hund bekommt. Ob sich das für dich lohnt, kann nur deine eigene Abwägung beantworten.
Unsere Empfehlung
Wenn du dich vor dem Start in Ruhe einlesen möchtest, kann ein Online-Kurs zur Hundeernährung helfen. Er ersetzt keine Rationsberechnung für deinen Hund und keinen Besuch in der Tierarztpraxis.
Themenkurs Ernährung
von Conny Sporrer (hundetraining.me)
Online-Kurs mit Grundwissen zur Hundeernährung. Ersetzt keinen Tierarztbesuch.
Das ist ein Partnerlink. Wenn du darüber kaufst, bekommen wir eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Wir haben die Kurse noch nicht selbst durchgearbeitet. Mehr dazu auf der Seite Über uns.

Quellen
- Dillitzer N, Becker N, Kienzle E: Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs, British Journal of Nutrition 2011, Auswertung von 95 BARF-Rationen. Geprüft am 12.10.2026.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: STEC/EHEC-Infektionen durch Lebensmittel, Fragen und Antworten, Abschnitt zu Haustieren und Fütterung mit rohem Fleisch. Geprüft am 12.10.2026.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zum Schutz vor Infektionen mit Salmonellen. Geprüft am 12.10.2026.
- Friedrich-Loeffler-Institut: Die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut) beim Hund, Informationsblatt. Geprüft am 12.10.2026.
- Bundestierärztekammer: Musterweiterbildung Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung Kleintiere. Geprüft am 12.10.2026.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen
Wie fange ich mit dem Barfen an?
Lass zuerst eine Ration für deinen Hund berechnen, am besten von einer Tierärztin mit Weiterbildung in Ernährung. Schreib dann einen Wochenplan, kläre Einkauf und Lagerung und ersetz anfangs nur eine Mahlzeit am Tag durch die frische Ration.
Wie viel BARF braucht mein Hund?
Pauschale Prozentangaben vom Körpergewicht sind nur grobe Startwerte. Der Bedarf hängt von Alter, Bewegung, Kastration und Gesundheit ab. Eine Berechnung gibt dir die richtige Menge, die Waage zeigt dir, ob sie im Alltag passt.
Brauche ich einen BARF-Plan?
Ja. Ohne Plan entstehen leicht Mängel, die man lange nicht bemerkt. In einer Münchner Studie hatten 60 Prozent der untersuchten BARF-Rationen erwachsener Hunde mindestens ein deutliches Ungleichgewicht, oft bei Jod, Kalzium, Zink oder Kupfer.
Ist Barfen gesünder als Fertigfutter?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Eine gut berechnete BARF-Ration kann einen Hund gesund ernähren, eine schlecht zusammengestellte kann schaden. Ein gutes Alleinfuttermittel deckt den Bedarf ebenfalls. Entscheidend ist die Zusammensetzung, nicht ob roh oder fertig.
Darf ich meinem Welpen BARF geben?
Nur mit einer berechneten Ration, die im Wachstum regelmäßig angepasst wird. Welpen reagieren empfindlich auf Fehler bei Kalzium, Phosphor und Vitamin D. Sprich vorher mit deiner Tierarztpraxis.
Ab wann darf ein Welpe Rinderohren fressen?
Ein festes Alter gibt es nicht. Es hängt von Größe, Zahnwechsel und Kauverhalten ab. Gib Kauartikel nur unter Aufsicht und frag bei Unsicherheit in der Tierarztpraxis nach.
Welches Fleisch darf mein Hund beim Barfen nicht bekommen?
Kein rohes Schweinefleisch und kein rohes Wildschwein, weil sie das Virus der Aujeszkyschen Krankheit übertragen können. Für Hunde verläuft diese Krankheit tödlich. Gekochte Knochen sind ebenfalls tabu, weil sie splittern.
Ist BARF gefährlich für Menschen?
Rohes Fleisch kann Keime wie Salmonellen tragen, die über Hände, Napf oder Hundekot weitergegeben werden. Mit sauberer Küchenhygiene sinkt das Risiko. In Haushalten mit Kleinkindern, Schwangeren oder abwehrgeschwächten Menschen ist rohes Futter oft nicht die beste Wahl.
Kann ich Hundefutter auch selber kochen?
Ja. Gekochtes Futter senkt das Risiko durch Keime, braucht aber genauso eine Berechnung und meist gezielte Ergänzungen. Knochen fütterst du dann nicht, das Kalzium kommt aus einem passenden Zusatz.
